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Grüner Ringkampf

Audi A3 TCNG Prototyp (Foto: Hersteller)

Bei alternativen Antrieben liegt Audi im Premiumsegment hinten. BMW und Mercedes sind längst groß ins Elektro-Geschäft eingestiegen. Den Image-Wandel soll der neue Audi A3 mit Erdgasantrieb bringen. Er könnte fast so CO2-arm unterwegs sein wie ein Stromer.

Als Vollgas-Marke könnte sich Audi mit seinen PS-starken Modellen durchaus bezeichnen, doch die Ingolstädter können auch ganz anders Gas geben. Der neue A3 kommt nicht nur mit Benzin- und Dieselmotoren auf den Markt. Erstmals in der Geschichte der Marke wird es einen Audi mit Erdgasantrieb geben.

VW hat die Technik

Bislang hat Audi zwar pflichtschuldig ein paar Elektro-Studien auf den Autoshows dieser Welt geparkt und immerhin schon Hybridautos im Angebot, doch die Konkurrenz ist schon ein paar Schritte weiter - die aus Japan sowieso, aber auch die anderen deutschen Premiummarken. BMW baut die eigene Elektro-Marke BMW i auf, Daimler will die Führungsrolle in Sachen Brennstoffzelle übernehmen und ist auf dem besten Weg dahin. Mit dem E-Gas-Projekt will Audi nun einen ganz eigenen Vorstoß in Sachen Öko-Zukunft machen.


Das macht Sinn, schließlich ist Erdgas ist im VW-Konzern schon lange ein Thema. Mit den "EcoFuel"-Modellen von Caddy, Passat, Touran und bald auch dem Winzling Eco Up! ist die Erdgaspalette der Wolfsburger so groß wie bei keinem anderen deutschen Autohersteller. Audis e-Gas Projekt erstreckt sich nicht nur auf das Auto, sondern bezieht die Treibstoffproduktion mit ein. Der Plan: Vier Offshore-Windkrafträder mit jeweils 3,6 Megawatt elektrischer Leistung produzieren Strom und speisen ihren Überschuss ins Netz ein. Mit dieser Energie wird durch Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Der wird dann zusammen mit CO2 aus der Luft oder einer Biogasanlage durch Methanisierung zu Erdgas - fertig ist der umweltschonende Kraftstoff.

Weniger Emissionen als ein Elektroauto?

Mit e-Gas könnte ein Erdgasfahrzeug genauso CO2-arm unterwegs sein wie ein Elektroauto, denn der Strom kommt aus einer regenerativen Quelle. Zwar stoßen auch Erdgas-Autos CO2 aus, doch im Fall von e-Gas wäre es ziemlich genau die Menge, die man vorher für die Erdgasproduktion der Atmosphäre entzogen hat. So rechnet es jedenfalls Audi vor und spricht von ganzheitlicher, CO2-neutraler Mobilität. "Wir wissen heute noch nicht, ob es genau so funktionieren wird", gibt Projektleiter Reinhard Otten zu. Er geht aber davon aus, dass sich die "Well to wheel"-Emissionen mit synthetisch produziertem e-Gas im Vergleich zu fossilem Erdgas um 85 Prozent reduzieren lassen.

Audi A3 TCNG Prototyp (Foto: Hersteller)
Audi A3 TCNG Prototyp (Foto: Hersteller)
Audi A3 TCNG Prototyp (Foto: Hersteller)
Audi e-Gas Projekt (Foto: Hersteller)
(Foto: Hersteller)
 

Was bleibt, sind die CO2-Emissionen zum Bau des Autos und der Anlagen für die e-Gas-Produktion. Die wären aber nach Audis Beispielrechnung, bei der eine Gesamtlaufleistung des Autos von 200.000 km zugrunde gelegt wird und nicht nur die Nutzungsphase, sondern die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt wird, sogar etwas geringer als bei einem mit Windstrom betriebenem Elektroauto.


Ein Vorteil des Konzepts wäre in jedem Fall seine Flexibilität. Andere alternative Antriebe können ihren Treibstoff schließlich schon vorher aus der Produktionskette abgreifen: Elektroautos zapfen den Windstrom direkt aus dem Netz, Brennstoffzellenfahrzeuge werden mit dem durch Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff betankt.

In einem alten Audi A3 konnte man den Erdgasantrieb bereits testen. Der A3 TCNG Prototyp hat einen 1,4 Liter großen Turbomotor mit 150 PS und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das Aggregat ist für Audi-Verhältnisse etwas flügellahm, aber immerhin schafft der Wagen den Spurt von 0 auf 100 km/h in weniger als 10 Sekunden. Die Erdgastanks unter dem Laderaumboden fassen 18 kg CNG, bei einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 kg pro 100 km (Werksangabe) wären rund 430 km Reichweite drin. Für weitere 150 km, wenn gerade die nächste der rund 900 Erdgastankstellen in Deutschland zu weit entfernt ist, gibt es einen 11 Liter großen Benzin-Reservetank.

"In der ersten Phase werden wir genug e-Gas produzieren, um damit ungefähr 1500 Autos zu versorgen", sagt Audis Entwicklungschef Michael Dick. Das funktioniert dann ähnlich wie bei einigen Ökostromprodukten: Man tankt irgendwo in der Republik Erdgas - also auch fossiles Erdgas - und Audi garantiert, dass mindestens die gleiche Menge e-Gas ins Netz eingespeist wird. Die e-Gas-Produktion wollen die Ingolstädter Ende 2013 im industriellen Maßstab starten, und zwar in einer 3500 Quadratmeter großen Anlage in Werlte im Emsland. Als CO2-Quelle will man eine vorhandene Biogasanlage nutzen. Der VW-Konzern ist allerdings auch ein gebranntes Kind, was "grüne" Treibstoffe angeht. VW beteiligte sich genau wie Daimler am Konzern Choren, der einen umweltfreundlichen Biodieselkraftstoff entwickelt hat. Choren ging 2011 in die Insolvenz, der Traum von der Massenproduktion des neuen Sprits liegt erst einmal auf Eis.

 

Autor: Sebastian Viehmann  Stand: 01.03.2012
Fotos: Hersteller