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Eine neue Ära

BMW 5er Hybrid Genfer Salon 2010 (Foto: Hersteller)

Lange Jahre war Toyota mit seinen Hybriden allein auf weiter Flur. Während Elektromodelle keine nennenswerte Nachfrage haben, dürfte 2012 das Jahr des Hybrid-Durchbruchs werden. Auch europäische Hersteller bringen Hybridmodelle, die mehr sind als ein ökologisches Feigenblatt.

Bisher hatten Hybridautos nur in den USA und Japan eine nennenswerte Nachfrage. Selbst wenn es oft anders erscheint: auch dort sind Hybridmodelle keinesfalls konkurrenzlose Bestseller, jedoch in einzelnen, bevorzugt städtischen Regionen beliebt. Auf den langsamen Hybrid-Dampfzug, der mit Toyota einst zaghaft begann, sprangen im Laufe der Jahre Konzerntochter Lexus und Honda auf - auch weil moderne Dieseltechnik fehlte. Dann folgten US-Marken wie Ford, General Motors und Chrysler. Nur in Europa tat sich abgesehen von einer Handvoll Hybridzulassungen bei Mercedes S-Klasse oder 7er BMW wenig sowie den kaum erfolgreichen Toyota- und Lexusmodellen wenig. Ein Grund ist der anhaltende Diesel-Boom, der sich nur langsam abschwächt. In unseren Breiten haben sich die Dieseltriebwerke in den letzten 20 Jahren ein wahres Hightech-Image mit niedrigen Verbräuchen und sportlichen Fahrleistungen erarbeitet. Ab der Mittelklasse geht in Europa seit Jahren kaum noch etwas mit einem Benziner, die mit neuen Turbotriebwerken erst langsam zum innermotorischen Gegenschlag ausholen.

Diesel trifft Hybrid

Mit der Präsentation des Peugeot 3008 Hybrid 4 im Herbst vergangenen Jahres begann für viele kaum spürbar ein neues Zeitalter. Nur allzu gerne hätte sich Mercedes als Erfinder des Automobils auf die Fahnen geschrieben, der erste zu sein, der ein Serienfahrzeug mit der technischen Symbiose aus Dieselmotor und Elektromodul auf die Straße bringt. Doch der französische PSA-Konzern war mit dem Peugeot 3008 Hybrid 4 und nun dem Citroen DS 5 einfach schneller. Ein 163 PS starker Dieselmotor treibt die Vorderachse an; der 30 Kilowatt starke Elektromotor die Hinterachse. Ändert wenig daran, dass mit der Vorstellung des Mercedes E 300 Bluetec Hybrid auf der Detroit Motorshow Mitte Januar ein realer Wechsel stattfinden wird. Der E 300 Bluetec Hybrid wird vom bekannten OM-651-Diesel mit 2,2 Litern Hubraum und 150 KW / 204 PS angetrieben. Unterstützt wird der Commonrail-Diesel von einem 20 Kilowatt starken Elektromotor, der seinem Fahrer ein maximales Drehmoment von 250 Nm zur Verfügung stellt. Der E-Motor ermöglicht nicht nur einen Boost-Effekt bei starkem Beschleunigen, sondern auch rein elektrisches Fahren und Segeln. Sein Normverbrauch: 4,2 Liter Diesel.


Da sich in den USA nach wie vor niemand für einen Diesel erwärmen kann, wird das Hybridmodul jenseits des Atlantik in einen Benziner eingesetzt. Der E 400 Hybrid verfügt im Gegensatz zum Vierzylindermodell E 300 Bluetec über standesgemäße sechs Brennkammern und leistet 225 kW / 306 PS. Während der Verbrenner ein maximales Drehmoment von 370 Nm liefert, steuert das identische Elektromodul des Diesel-Hybrid auch hier 20 kW und 250 Nm bei.

Mercedes ist in Detroit nicht der einzige deutsche Hybridstarter. Volkswagen schickt nach dem Touareg mit dem Jetta eine zweite Hybridversion auf den US-Markt. Er wird nicht nur von einem turboaufgeladenen Vierzylinder-Direkteinspritzer mit 1,4 Litern Hubraum und einer Leistung von 150 PS angetrieben, sondern auch über einen Elektromotor mit 30 kW/41 PS. Mit ihm soll drei Kilometer weit rein elektrisches Fahren möglich sein. Die Energie liefern Lithium-Ionen Akkus. Der Verbrauch dürfte auf dem Niveau des Toyota Prius liegen.

Mercedes E 300 Bluetec Hybrid (Foto: Hersteller)
Audi Q5 Hybrid (Foto: Hersteller)
Porsche Cayenne S Hybrid.jpg/SKI (Foto: Hersteller)
Volvo XC60 Plug-in-Hybrid Concept (Foto: Hersteller)
(Foto: Hersteller)
Mercedes S 400 Hybrid / BMW 7er Hybrid (Foto: Grundhoff)

BMW hat seine Hybridfehler der ersten Generation erkannt. Die beiden Powerhybriden im 7er und dem X6 gehören der Vergangenheit an. Mit der Modellpflege im Sommer bekommt der 7er BMW das gleiche Hybridmodul wie 3er und 5er - jeweils mit sechs Zylindern. Die neue Hybridgeneration von BMW hat drei Liter Hubraum, sechs Zylinder, Turboaufladung und verfügt im Gehäuse der Achtgang-Automatik über ein integriertes Elektromoduls. Zu den 306-Verbrenner-PS des Reihensechszylinders kommt ein 40 KW / 55 PS starkes Elektromodul, das die Gesamtleistung auf 340 PS erhebt. Der Normverbrauch soll sich je nach Modell zwischen sechs und sieben Litern einpendeln. Bei zukünftigen BMW-Hybridentwicklungen dürfte Toyota ein technisches Wörtchen mitreden. Denn im Rahmen der Tokio Motorshow gaben beide Unternehmen eine Zusammenarbeit in den Bereichen Diesel- und Hybridtechnik bekannt. Während BMW Toyota mit der bei den Japanern wenig geliebten Selbstzündertechnik versorgt, greift der Hybridpionier den Bayern bei der Elektrotechnik unter die Arme. Davon dürfte mittelfristig nicht nur die Kernmarke BMW, sondern auch Mini und Rolls-Royce profitieren. Gerade der bayrische Luxusableger arbeitet mit Hochdruck an einem Hybridmodul für seinen durstigen Zwölfzylinder, das 2013 zu seinem Serieneinsatz kommen dürfte.


Audi hielt sich bei seinen Hybridentscheidungen betulich zurück und lag damit alles andere als falsch. Der bereits nahezu fertig entwickelte Sechszylinder im Q7 Hybrid wurde kurz vor Toreschluss gestrichen. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob die nunmehr verfügbare Vierzylinderversion der einzig rechte Weg war. So gut der Vierzylinder-Konzernturbo mit zwei Litern Hubraum und Hybridmodul in Modelle wie A4, A5, Q3 und Q5 passt, so wenig standesgemäß erscheint er im Oberklassemodell Audi A6. Hier geht eben nichts über sechs Brennkammern. Für den Audi A8 ist der Vierzylinder mit seiner Gesamtleistung von 245 PS angesichts der starken Konkurrenz einfach zu dünn. Ebenso problematisch: der Audi A8 Hybrid ist ausschließlich mit dem wenig klassengemäßen Frontantrieb zu bekommen. Mittelfristig soll es jedoch auch hier andere Wege geben. Ähnlich wie Peugeot und Citroen will Audi bei leistungsschwächeren Modellen einen Frontantrieb anbieten, der von einem Verbrenner befeuert wird. Zudem wird die Hinterachse wie bei Peugeot 508 RXH oder Citroen DS5 von einem Elektromodul mit einer Zusatzleistung von bis zu 50 PS angetrieben. Ähnlich macht es die Studie des Volvo XC60 Plug-In-Hybrid, die auf der NAIAS gezeigt wird. Während die Vorderachse von einem 280 PS starken Turbovierzylinder angetrieben wird, bekommt die Hinterachse immerhin 70 PS Elektropower.

Toyota Prius in San Francisco (Foto: Viehmann)
Honda CR-Z (Foto: Hersteller)
Audi A6 Hybrid (Foto: Hersteller)
Mercedes E 300 Bluetec Hybrid (Foto: Hersteller)
BMW X6 Active Hybrid (Foto: Hersteller)
Lexus GS (Foto: Hersteller)

Bleibt die Frage, wie sich der Hybridpionier Toyota gerade in Europa aufstellt. Wirklich rechnet sich das europäische Geschäft nach wie vor nicht. Daran dürften auch der für den Sommer angekündigte Prius mit Plug-In-Hybrid, ein neuer Auris oder der Toyota Yaris Hybrid kaum etwas ändern. Doch der ebenfalls ab Sommer verfügbare neue Lexus GS 450h mit seinem 3,5 Liter großen V6-Benziner und einem Elektromotor hat mit seinen 252 kW / 343 PS in der Oberklasse zukünftig wohl mehr technische Konkurrenz. Im EV-Modus fährt der Wagen bis zu zwei Kilometer und mit maximal 64 km/h rein elektrisch, wenn man wenig Gas gibt und die Nickel-Metallhydrid-Akkus genügend Saft haben. Den Durchschnittsverbrauch des GS 450h geben die Japaner mit 5,9 Litern pro 100 Kilometer an. Das schaffen allerdings auch die sparsamen Powerdiesel von BMW, Audi und Mercedes. Und selbst bei Porsche hat der Hybridantrieb im Laufe des letzten Jahres bei Panamera und Cayenne seine Existenzberechtigung bekommen. Die Zeiten stehen auf Wandel und die 95 Gramm maximaler CO2-Ausstoß funkeln bereits am Horizont.

 

 

Autor: Stefan Grundhoff  Stand: 04.01.2012
Fotos: Hersteller