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Go! Baby Go!
Der McLaren 720S GT3X ist der schnellste Bolide der britischen Sportwagenschmiede außerhalb der Formel 1. Wir sind die Waffe auf vier Rädern gefahren und haben das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.

Go! Baby Go!

Vom McLaren 720S GT3X werden nur 15 Exemplare gebaut (Foto: press-inform / McLaren)

Der McLaren 720S GT3X ist der schnellste Bolide der britischen Sportwagenschmiede außerhalb der Formel 1. Wir sind die Waffe auf vier Rädern gefahren und haben das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.

Die Kurvenkombination vor der langen Start-Ziel-Geraden auf dem "Circuito de Navarra" ist nur der Prolog vor dem wilden Sturm. Der kurze Linksknick geht noch mit Volllast, aber wer hier zu spät in Eisen steigt, zahlt bei der folgenden engen Rechts und vor allem dann beim Geradeausstück mit Geschwindigkeitsverlust. Also mit Schmackes und trotzdem gefühlvoll rauf auf das Bremspedal und gleichzeitig den McLaren 720S GT3X ausrichten. Der Stunt gelingt. Die Schnauze der Briten-Flunder biegt sofort in die Kurve und wir können schon kurz vor dem Scheitelpunkt aufs Gas. Wie ein visueller Trommelwirbel schnellen die Leuchtdioden nach rechts. Bamm, bamm, bamm! Mit dem Schaltpaddel schnalzen wir die Gänge rein, hinter uns kreischt und sägt der Vierliter-Achtzylinder-Biturbo voller Inbrunst.

Nur 15 Exemplare werden gebaut

Schon vor der Zielgeraden ist die sechste Stufe des sequenziellen Getriebes erreicht und wir rücken den gelben Knopf ganz links oben auf dem Steuer. "PTP" steht für "Push to Pass" (drücken, um zu überholen) und setzt 22 kW / 30 PS zusätzlich zu den 529 kW / 720 PS frei. "Go! Baby go!", feuert uns das Display an. Die Extra-Vitamine wuchten den 1.210 Kilogramm schweren GT-Sportler nach vorne. Heißa. Wir grinsen über das ganze Gesicht, aber schon am Ende der Geraden wartet die nächste knifflige Aufgabe: erst ein schneller Rechtsknick, auf den zwei Kurven folgen, von denen die letzte massiv zumacht. Wieder sind die Pirelli-Slicks im Zusammenspiel mit dem mächtigen Heckspoiler gefordert.


Kein Problem. Das dunkle Biest sieht zwar furchteinflößend aus, lässt sich aber sauber dirigieren. Wohl wissend, dass ein unachtsamer Moment genügt, dass man richtig zaubern muss. Also geht der heiße Ritt weiter. Wir konzentrieren uns auf jeden Zentimeter Asphalt und haben keinen Blick für die Felsmassive des kantabrischen Gebirges, die sich am Horizont auftürmen. Schließlich hat dieses Geschoss, von dem nur 15 Exemplare gebaut werden, den "Hill Climb" beim "Goodwood Festival of Speed" gewonnen und diesen Anstieg feuern nur Könner mit Raketen hoch. Wenn also ein Auto das Prädikat "Track Tool" verdient, dann dieses.

Formel-1-Aerodynamik

"Wir haben einfach geschaut, was wir ohne Einschränkungen machen können, um eine optimierte Version des McLaren GT3 zu kreieren"; sagt Chef-Designer Sam Purvis. Das Lastenheft war eindeutig: Einfach den schnellsten McLaren außerhalb der Formel 1 zu bauen. Mission erfüllt! Der 720S GT3X nimmt dem GT3, der schon eine Waffe ist, auf dieser Rennstrecke rund fünf Sekunden pro Runde ab. Das sind Welten. Hinter dem Wettrüsten steckt noch mehr. Der 720S GT3X dient als rollendes Labor, da einige der Verbesserungen in zukünftigen Modellen des britischen Sportwagen-Autobauers zu finden sein werden. Deswegen lohnt ein Blick in die Geheimnisse des GT-Renners, der auch im Kundensport eingesetzt wird und bei dem mehr als 90 Prozent der Teile von der Serienversion des McLaren 720S übernommen wurden. Aber der Rest hat eine große Wirkung.

Der McLaren 720S GT3X hat 529 kW / 720 PS (Foto: press-inform / McLaren)
Das Heck wurde aerodynamisch optimiert (Foto: press-inform / McLaren)
Das Lenkrad ist die Kommandozentrale (Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)

Im Zentrum steht der handgefertigte 840MT doppelt aufgeladene Achtzylinder, bei dem die Ingenieure an einigen Stellschrauben gedreht haben: ein optimierter Zylinderkopf, verstärkte Kolben, größere Turbolader und konsequenterweise ein verbesserter Ansaugtrakt. Damit steigt die Leistung gegenüber dem 720S GT3 um gut 200 PS, dazu kommt noch die Go! Baby go! Extra Power. Passend zur gesteigerten Leistung bekommen auch die vom GT3 übernommenen Bremsen eine bessere Kühlung.


Das aus den Straßenfahrzeugen bekannte Mono Cage II bildet die Karbon-Fahrgastzelle, um die die Karosserie aus Verbundstoff. Die gesamte Aerodynamik erhielt im Formel-1-Windkanal den Feinschliff, eben auch das Heck samt Spoiler sowie der optimierte Unterboden samt Diffuser. Als wenn das Überholen eines McLaren 720 GT3X nicht schon schwer genug wäre, haben Briten noch Radarsensoren ins Heck gepackt, die den Fahrer warnen, wenn sich Konkurrenten von hinten nähern.

(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)
(Foto: press-inform / McLaren)

In dem Boliden steckt jede Menge Rennsport-Hightech. Am Lenkrad lassen sich per Drehschalter das Motor-Mapping, das ABS, die Bremsbalance und die Traktionskontrolle verstellen und auf dem Display lassen sich alle Parameter wie Reifendruck, die Motor- und Bremsentemperatur sowie die Rundenzeiten ablesen. Das ist Racing pur. Wer jetzt Lust auf die Jagd nach Bestzeiten bekommen hat, sollte schon mal mehr als 700.000 Euro auf die Seite legen.

Autor: Wolfgang Gomoll, Navarra Circuit  Stand: 03.11.2021
Fotos: press-inform / McLaren